HEIKO STRIBL

Comrades German || Deutscher Comrades

Was ist der Comrades? Der Comrades Marathon, oder besser gesagt Ultralauf, ist ein sehr spezieller Lauf, welcher jedes Jahr in Südafrika stattfindet. Nur 89 Kilometer lang, viele Hügel. zwischen Durban und Pietermaritzburg, oder Pietermaritzburg und Durban.

Hi, mein Name ist Heiko, und heute möchte ich Dir ein paar wertvolle Informationen geben, falls Du planst oder davon träumst, den Comrades zu rennen. Ich selber hatte diesen Traum seit meiner Kindheit. Um nicht nur die Medaille zu haben, sondern um endlich mal den Lauf geschafft zu haben. Aus diesem Ziel wurde dann auch ein weiteres, nämlich die berühmte back to back Medaille zu bekommen. Die bekommst Du nur, wenn Du zwei Jahre hintereinander erfolgreich den Lauf beendet oder teilgenommen hast.

Aber langsam fangen wir ganz ganz vorne an. Zuerst, was sind der Comrades genau? Naja, eigentlich ist dieser Lauf der älteste Ultralauf der Welt. Und für mich persönlich der härteste Lauf, an dem ich je teilgenommen habe. Ich sag das nicht mit Leichtigkeit, denn ich bin in 50 Länder bereits gerannt, aber bei den Comrades bin ich so oft unter meinen Erwartungen geblieben.

Aber zuerst musst Du verstehen, dass, wenn man in Südafrika aufgewachsen ist, dieser Lauf eine Art Obsession ist.  Wenn immer jemand rennt, oder man Weiß das jemand in der Familie Läufer ist, „trainierst Du für Comrades?“ Es ist ein großer Teil der sportverrückten Nation. 

Als ich ein kleiner Junge war, war der einzige Samstag an dem wir Samstags Fernsehen schauen durften, wenn Comrades übertragen wurden.

Die Liveübertragung fing erst um 7:00 an, weil es vorher zu dunkel war, um den Start zu filmen und Übertragen. In den meisten Fernsehern in unserer Nachbarschaft lief der Comrades. Und jeder kannte jemanden der Teilnahm.

Und schon da habe ich gemerkt, dass es zwei Arten von Menschen gibt. Die, welche behaupten, „das ist unmöglich so weit zu rennen“, und die, die es getan haben, den Lauf geschafft haben. Ich versuchte mich ab dann immer an die zu halten, welche den Lauf geschafft hatten.

Der Lauf fand zum ersten Mal statt 1921. Immer zwischen Durban und Pietermaritzburg, und immer um die 87 oder 90 km. 

Und weißt Du, diese Fernsehbilder, wie die Läufer die Ziellinie überquerten. Die machten was mit mir, ich wusste, das werde ich mal schaffen. Also angefangen, Ziele zu setzen, Schritt für Schritt. 

Der Comrades wird auch als The Ultimate Human Race bezeichnet. Und in manchen Läufer-Foren wird das unheimlich kritisiert. Klar, wahrscheinlich gibt es härtere und weitere Läufe, und bestimmt haben diese Personen recht auf Ihre Ansichten. Aber anstatt in Foren deswegen den Marathon schlecht zu reden, ist es unnötig.

Weil, es ist ein südafrikanischer Lauf, mit tiefen Wurzeln und viel Geschichte. Erst wenn Du diese verstehst, weißt Du auch, warum dieser Name gewählt wurde. 

Die Geschichte des Rennens, mit den fantastischen Zuschauern, bietet jedem Läufer unzählige Eindrücke. Und das schönste ist, dass dieser Lauf auch für alle Läufer zugänglich ist. Du brauchst kein Ultraläufer zu sein, kein verrückter Adrenalin Junkie, sondern mit der notwendigen Vorbereitung ist der Lauf unter 12 Stunden zu schaffen. Da sind Menschen dabei, die vor ein paar Jahren kaum in eine Rennhose gepasst haben, oder die bereits mehrere Testläufe hinter sich haben. Der Comrades ist eine einzigartige Erfahrung. Du läufst Dich mit Menschen von unterschiedlichen Herkunft und Hintergründen, machst gleichzeitig Deine eigenen Erinnerungen draus. 

Geschichte des Comrades. 

Also, wie gesagt, am 24. Mai 1921, am Empire Day, fand der Lauf zum ersten Mal statt. Außer einer Pause während des Zweiten Weltkrieges, wurde er jedes Jahr ausgetragen. 2015 war das 90. Jahr, und es haben bereits über 300.000 Läufer teilgenommen.

Die Idee des Laufes kam von einem 1. Weltkrieg Veteran. Vic Clapham, in Erinnerung an die gefallenen Soldaten.

Clapham hatte einen 2,700 Kilometer weiten Marsch hinter sich, durch Afrika. Und er wollte ein Andenken für die Teilnehmer schaffen, die ihre physische Ausdauer bis aufs Äußerste getestet haben. Auf englisch, „celebrate mankind’s spirit over adversity“. Hört sich auf Deutsch so an Feiern den Geist der Menschheit über Missgeschicke.

Von 1962 bis 1994 wurde das Rennen am Republic Day 31 Mai veranstaltet. Und 1921 waren 34 Läufer am Start, während die Strecke nur in den letzten Kilometer geteert war. Gewonnen hat Bill Rowan, in 8:59. 41 Minuten vor Harry Phillips. Nur 16 der gestarteten 34 kamen ins Ziel.

Dann kam ein Läufer welche die nächsten 5 mal gewinnen würde, Arthur Newton. Die Zeiten wurden immer schneller, der „down run“, bedeutet von Pietermaritzburg, im Landesinneren zur Küste nach Durban, in 6:56, und das in 1923. Es waren am Ziel ganz wenige Zuschauer, weil kaum jemand mit solch einer schnellen Zeit gerechnet hatte. 

Die erste Frau, welche den Comrades genannt wurde, war Frances Hayward, 1923. Aber Ihr wurde die offizielle Teilnahme nicht erstattet, und Sie rannte als inoffizielle Läuferin. Sie bekam keine Medaille, aber ein Tea-set, und ein paar Rosen.

In 1924, waren es nur 24 Läufer welche teilnahmen. Dann wurde 1928 die Zeit auf 11 Stunden reduziert.

Hardy Ballington war in den 30ern der dominante Läufer, er siegte in 33, 34, 36 und 1938.

Der Gewinner des Rennens in 1930, Wally Hayward, wurde eines der berühmtesten oder besser gesagt eine Comrades Legende, als er weitere 4 Titel in den 50’ern holte, und der älteste Teilnehmer wurde, um den Lauf in 1989 zu beenden. Echt stark, habe ich damals als kleiner Junge live im Fernsehen gesehen.

1932 hat Geraldine Watson als erste Frau den Up und den Down Run gewonnen, auch als inoffizielle Teilnehmerin.

Von 1941 bis 1945 war nichts mehr mit den Comrades. Dann wurde im Jahre 1948 eine Tradition geboren, die bis heute stattfindet. Und zwar, anstatt den üblichen Startschuss, hat Max Trimborn ein lautes Krähen eines Hahnes imitiert. Also wenn Du an der Startlinie mal stehst, dann weißt Du, woher das kommt.

In den 50er Jahren, 2o Jahre nachdem er das Rennen zum ersten Mal gewonnen hatte, gewann Wally Hayward das Rennen wieder. In 1951, 53, und 1954. Er ging auch zur Olympiade in Helsinki, wo er den zehnten Platz beim Marathon erreichte. 

1958 gewann Jackie Mekler das Rennen. Auch er gewann das Rennen 5x mal, kam 2 mal Zweiter und dreimal Dritter.   

Wenn du dir nur kurz vorstellen magst, wie wenig fortgeschritten das Rennen als Sport damals war, im Vergleich zu heute. Die Trainingsmethoden, die Kleidung, die Ernährung. Wie haben die bereits damals solch eine Leistung abrufen können. 

In den 1960ern wuchs die Teilnehmerzahl von 104 auf 703. Und ab dann wurden auch die sogenannten Cut-offs eingeführt, und zwar in Drummond und Cato Ridge. Genau da sind sie heute noch. 

Ah, und Mekler war der erste Läufer, die 6 Stunden Marke zu knacken.

Dann gab es Gewinner wie George Classen, Vater des berühmten Wynand Claasen, ein Springbok Rugby Spieler. Sein Sohn hatte auch den Lauf 10 mal absolviert. 

Dann in 1962 wurden Läufer aus England zur Teilnahme geschickt. Die Road Runners of England schickten 4 ihrer besten Läufer nach Südafrika. Und tatsächlich, John Smith gewann das Rennen. Sensation. 

1967 gaben sich Melanie Kuhn und Tommy Malone den bisher spektakulärsten Kampf um Platz 1. Und zwar Malone, auf Platz eins hatte er nur noch wenige Meter zum Ziel, und wie heute auch noch üblich, bekam die traditionelle Botschaft vom Bürgermeister aus Pietermaritzburg, er hatte einen zweiminütigen Vorsprung auf Kuhn. Dann geht es ins Stadium, nur noch wenige Meter, als Kuhn auf einmal hinter Ihm erscheint, und immer schneller wird, 40 Meter, 20 Meter, 10 Meter. Malone gab alles, Endspurt, doch viel 15 Meter vor dem Ziel hin, Krämpfe. 

Er hat versucht wieder aufzustehen, aber Kuhn schoss an ihm vorbei. Die Botschaft des Bürgermeisters wurde vergessen.

1000 Läufer gingen im Jahr 1971 an den Start, und in 1979 waren es 3000, somit wurde auch das Rennen per Radio und Fernsehen übertragen. In 1975 wurde das Rennen an alle eröffnet, es gab keine Beschränkungen. Vincent Rakabele war der erste afrikanische Läufer welche es in die Top 20 geschafft hat, und Elisabeth Cavanaugh gewann als erste Frau das Rennen offiziell. 

1976, 77, 78, 1980 gewann Alan Robb. 4 mal. Doch das war nicht alles, er gewann mit einem Vorsprung von fast 20 Minuten den zweiten Platz.

Dann kam die Zeit, an die ich mich erinnern kann. Der Comrades erreichte 1983 zum ersten Mal über 5.000 Teilnehmer. Ein junger Student namens Bruce Fordyce gewann das Rennen 9 mal. In 1981, 82, 83, 84, 85, 86, 87, 88, und 1990. Nur Sam Tshabalala in 1989 gewann in den Jahren.

Bei den Frauen gewann Frith van der Merwe das Rennen 1988 in einer Zeit von 6:32. Und wieder 1989 unter 6 Stunden. Es war das gleiche Jahr, in dem Wally Hayward das Rennen in 9:44 überquerte, im Alter von 79 Jahren. 

Was genau ist Deine Ausrede?

Ab dann stiegen die Teilnehmer zahlen, über 12.000 Läufer und der Lauf wurde immer mehr im Ausland bekannt. Es gab 2 Deutsche welche den Lauf gewonnen haben: Birgit Lennartz gewann 1999 und Maria Bak im Jahr 2000. Auch bei den Herren siegte ein Deutscher gewann in den Comrades, sehr Starke Rennen von Charly Doll in 1993, in einer Zeit von 6:55. Im Jahr danach startete Alberto Slazar mit 6:41. Bekannte Namen. 

Schon bei den 74 Comrades waren es fast 24.000 Teilnehmer. Und eine extra Stunde wurde dran gehängt. In 2010 bekam der Comrades einen Platz im Guinness Buch der Rekorde.

Dominiert haben die Geschwister Nurgalieva das Rennen. Zwischen 2003 und 2013 gewannen Sie den Comrades 10x mal.

Dann kam das 9- Year Anniversary, 90 Jähriges Jubiläum. Endlich war ich mal so weit, voller positiver Ambitionen, vor allem da ich ein paar Monate davor einen 504 KM Spendenlauf absolviert hatte. 12 crazy days, 12 marathons in 12 Ländern in 12 aufeinanderfolgenden Tagen. 

Es war der Up run, also von Durban nach Pietermaritzburg. Ich bin rechtzeitig hingereist, schon am Flughafen, lauter Läufer. In Johannesburg wurden es immer mehr, alle mit einem Ziel: Durban. Ich glaube fast der ganze Flieger nach Durban war voll mit Läufern, viele aus Brasilien, Engländer, Canada etc.

Das Wetter in Durban, wie immer warm, sonnig, ganz angenehm.  Ich habe ein Zimmer direkt am Start gebucht, damit mir die Anreise am Morgen des Starts erspart bleibt. Dann wurde mir bewusst, eigentlich geht es nicht nur um die vorher von mir genannte Rekordhalter, sondern um die vielen 1.000 de von Läufer, welche sich das ganze Jahr oder länger auf dieses Ereignis vorbereitet haben. Jeder mit seiner Geschichte, seinen Verletzungen, seinen Schwierigkeiten, ob im Beruf, Familie, wenig Zeit, und trotzdem, das Ziel den Comrades zu laufen. 

Als Deutscher Botschafter für den Comrades gibt es Klaus Neumann, welcher bereits 24 mal den Lauf gemeistert hat. Und auch über 1000 Marathons gelaufen sind. 

In Südafrika gelten Legenden wie Barry Holland, welche den Lauf bereits zum 47 mal absolviert haben, zum Inventar. Er hat den Lauf auch schon mit seiner Tochter absolviert. Übrigens gibt es über 800 Läufer, die über 60 sind.

Aber falls Du Dich jetzt mit der Teilnahme beschäftigst, ich muss immer daran denken, dass ich als Kind mich selber gefragt habe, „wie schaffe ich das“ , und das wie im positiven Sinne. Kein „ob“, oder „kann ich“? Und das wurde dann für mich zu einer Vision.

Das hat mir geholfen, mich nicht ablenken zu lassen, sondern mich auf das Wesentliche zu konzentrieren, und so durch zu einem besseren Läufer geworden bin. 

Aber mal zur Strecke. 

Wie bereits erwähnt, jedes Jahr entweder Durban, Pietermaritzburg oder Pietermaritzburg – Durban. Registrierung ganz einfach online, und bei weiteren Tipps gibt es auch bei Reiseveranstalter, welche alles für Dich übernehmen. Aber es ist einfach, das alles auch selber zu planen und zu buchen. Für Gäste aus dem Ausland gibt es eine schnelle, super organisierte Abfertigung, bzw. Aushändigung der Startnummern. Wenn Du Südafrikaner bist, musst du etwas Geduld mitbringen, dort geht es nicht ganz so schnell.

Die meisten Teilnehmer sind aus Südafrika, aber es gibt eine große Anzahl Läufer aus England, Zimbabwe, Indien, Australien, Kanada. Wie trainiert Ihr denn, bei Euch liegt doch fast nur Schnee?

Die Chancen, dass das Ziel unter 12 Stunden erreicht wird, sind recht groß. Meistens finishen über 10.000 Läufer unter 12 Stunden.  

Warum spreche ich das an? Erinnerst Du Dich an Drummond? Ein sogenannter Cut off Point. Diese werden streng eingehalten. Bedeutet, wenn Du die Zeiten nicht erreichst, ist das Rennen für dich vorbei. Oft gibt es angeblich Streitereien und Enttäuschung. Aber, der Cut-off muss eingehalten werden, da die Straße wieder sukzessive für den Straßenverkehr freigegeben wird. Also bedeutet trainiere nicht auf ein Sub 12:00 Stunden, sondern setze dir höhere Ziele, dann wirst Du es mit guter Wahrscheinlichkeit schaffen. Auch wenn es mal nicht so laufen sollte, und einige Kilometer im elend schlechten Zustand, kann das Ziel erreicht werden. Es ist halt der Vorteil von einem langen Lauf. Das ist auch das Motto des Laufes Kameradschaft, Selbstlosigkeit, Hingabe, Ausdauer, 

Beim Comrades werden immer 5 Hügel genannt. Keine Ahnung warum, nur 5, denn ich habe einige mehr gezählt. 

Cowies Hill, Fields Hill, Botha’s Hill, Inchang, und Polly Shorts. Botha’s Hill zum Beispiel ist ein Anstieg von 502 Meter in nur 22 Kilometer. Der höchste Punkt des Rennens ist 870 Meter, Umlaas Road. Getränke oder Verpflegung gibt es ungefähr 40. Wasser in kleinen Beuteln, Cola, Energy drink, und sogar Physiotherapeuten der lokalen Uni. Kann sein, dass es manchmal, wenn es sehr heiß wird, kein Wasser mehr vorhanden ist für die Läufer am Ende . Aber auch dann keine Panik, es gibt so viele Zuschauer welche dich nicht nur anfeuern , sondern auch Wasser teilen werden. 

Was ist mit den Grünen Nummern? Die grüne Nummer bekommst Du als Läufer, wenn Du den Lauf 10 mal erfolgreich beendet hast. Oder, 3 mal gewonnen hast, oder 5 mal Gold gewonnen hast.

Rein interessehalber, 8 Läufer hatten bereits 3 Siege. 2, 4 Siege, 4 haben bereits 5 mal gewonnen. Und die Läuferin Elena hatte bereits 8 Siege. Bruce Fordyce hat mit 9 nicht die meisten, sondern Elena Nurgalieva, mit 13 Medaillen.

Wie viele Läufer haben bereits die Green Nummer? Über 9.000. Und das zeigt, dass der Comrades wirklich ein Rennen für jedermann ist. Stell Dir mal vor Stolz mit der Grünen Nummer und den eigenen Kindern den Lauf zu rennen.

Medaillen will ich kurz erklären.

Eine Goldmedaille gibt es für die ersten 10 Platzierten. 

Wally Hayward, welcher als erstes 5 mal das Rennen gewann, für 11te Position und jeder, der unter 6 Stunden das Ziel erreicht.

Silber 6:00 Stunden bis 7:30.

Bill Rowan erinnerst Du Dich, der Gewinner von 1921. Bill Rowan Medal 10 bis sub 11:00.

Vic Clapham Kupfer, 11:– bis 12:00 Stunden.

Also, du merkst, da ist richtig eine Historie dahinter. Ja und die Back-2-Back-Medaille. Einmal gerannt, geschafft, und dann im folgenden Jahr wieder das gleiche und Du bekommst die Back-2-Back-Medaille. 

Falls ich Dir etwas anbieten darf, bevor Du nach Südafrika fliegt. Denk dran, das Rennen ist sehr lang, die Bedingungen nicht die einfachsten. Egal wie gut Du darauf vorbereitet bist, mach dich auf alles gefasst.

Zweite: lerne die Strophen von Shosholoza. Dann kannst Du am Start Dir die Nervosität raus singen und hast einen Ahnung worüber gesungen wird.

Bruce Fordyce sagt in seinem Vortrag: Geh das Renne langsam an, beherrsche Dich, Entspanne Dich so weit es geht. Kein einziger Berg sollte Dir Schwierigkeiten bereiten. Einfach gemütlich hoch „cruisen“.

Und ignoriere die Schilder, denn es wird angezeigt, wie viele KM noch zu bewältigen sind. Konzentriere dich lieber auf den nächsten Hügel statt die nächsten 5 km.

Nach Pinetown kommt Fields Hill und Bothas Hill. Hier musst Du Deine Kraft einteilen.  Nach Bothas Hill sind es noch 7 km bis zur halben Strecke, bis nach Drummond.

Danach kommt Inchanga. Ein stark raubender Streckenabschnitt. Der Anstieg hört aber erst bei Radnor auf. Vorsicht.

Cato Ridge, bis zum Camperdown, das ist kein einfacher Teil und die Hügel kosten wieder einmal Kraft.

Zum Glück gibt es im Camperdown viele Zuschauer und es geht nach dem Anstieg wieder bergab. Hier ist es meistens sehr heiß, flach, viel Veld.

Umlaas ist der höchste Punkt und hier, laut Bruce Foryce, gewinnt der Eliteläufer das Rennen. Man sieht von hier aus auch Poly Shorts. Der letzte große Anstieg zwischen dir und Pietermaritzburg. Aber zuerst geht es runter nach Ashburton. Dann kommt die eigentliche Falle des Comrades. Little Pollyss. Viele Läufer meinen oder verwechseln Little Pollys mit Pollys Shorts. Und diese Fehleinschätzung demoralisiert Sie dann. 

Poly Shorts ist fast 2 KM lang und hat 3 Kurven. Jedes Mal meinst Du es geschafft zu haben, doch es  geht weiter hoch.  Geschwindigkeit ist hier nicht wichtig, sondern konzentriert, ohne aus der Ruhe zu kommen hoch, immer weiter.

Die letzten KM nach Pietermaritzburg sind nicht einfach. Obwohl dort mehr Zuschauer sind und dich anfeuern, zieht sich das letzte Stück unheimlich in die Länge.

Bei meinem Lauf, naja, ich sag’s mal so: in meinen 35 Jahren Rennen habe ich perfekte Läufe gehabt, und ein paar echt schlechte. Oft habe ich richtig auf meine Reserven zurückgreifen müssen, um weiterzumachen. Es gab auch bei mir 2 DNF Did Not Finish, anfangs habe ich mich so schlecht gefühlt, heute habe ich daraus gelernt und es hat mir geholfen mich weiter zu entwickeln. 

Meine Stärke als Läufer wird nicht dadurch definiert, ob ich eine persönliche Bestzeit erziele, oder ob ich trotz Schwierigkeiten weiter lerne. Vielmehr ist es meine Fähigkeit, über Jahre hart an mir zu arbeiten, regelmäßig konsistent gute Leistungen zu bringen und wie sehr ich diese Erfahrungen schätze.

Meine Marathonzeiten werden bestimmt irgendwann mal langsamer werden, aber in dem ich mentale Stärke mich antrainiert, durch zum Beispiel die R.E.S.E.T. Methoden, weiss ich, dass ich noch viele gute Läufe vor mir habe. Und es ist genau dieser Ansatz, der vor allem bei einem Lauf wie bei den Comrades so wichtig ist. Manchmal ist es nur die Gewissheit, das geht vorbei, das schaffe ich irgendwie.  

Mein erster Comrades ging um 4:00 morgens los. Kleines Frühstück, und überall die Läufer, welche bereits Ihre volle Ausrüstung, Hut, Sonnenbrille, Startnummern, alles dabei haben. Ich sehe auch schon ein paar Green Numbers, und mache mich durch das Foyer des Hotels auf dem Weg zum Start direkt gegenüber. Die Mitarbeiter des Hotels Grüßen freundlich wünschen jedem Läufer alles Gute. Obwohl ich eine Qualifizierungszeit von 3:27 hatte, war mein Gate, also der Startbereich, der mir zugeteilt war, recht weit hinten. Aber die Organisatoren ahnten wahrscheinlich schon, wie ich abschneiden würde.

Während der Startblock immer voller wurde, fiel mir ein, dass die Elite Läufer nicht wie wir einfach nur rumstehen und warte auf den Start, sondern diese bereits seit 45 Minuten richtig warm laufen. Respekt.

Dann kam Chariots of Fire, dann die Hymne, und Shosholoza, der Hahn kräht, und Buuuuhmmmmm Start.

Aber nichts passiert. Logisch, bei 25.000 Läufer braucht es ca. 7-9 Minuten bis alle über die Startmatte gekommen sind.

Die ersten 20 KM waren für mich wie in einer Trance. Wirklich. Ich weiss nur, es war dunkel, viele Läufer, und es ging bald Berg hoch und schien nicht aufzuhören. Erst bei 28KM habe ich etwas zu mir gefunden und einen Rhythmus entdeckt, der mich nicht so gestresst hat. Bei 40KM, in knapp über 4 Stunden fing ich an zu rechnen und zu spekulieren, welche Zeit möglich wäre.

Ein großer Fehler, da ich an mehreren Verpflegungsstationen einfach vorbei gelaufen bin, und dann gemerkt habe, wie mir Energie fehlt. Will Du beim Lauf alleine sein und in der Distanz viel Zeit zum Denken haben, passiert so etwas leichter, wie Du meinst. Mir wurde klar, nach diesem Fehler wird es nichts mit einem 9:00 Stunden-Finish. Aus dem persönlichen besten Modus wurde Überlebens Modus.

Ich kürze es ein wenig ab, denn ich musste ab dann viel gehen, und hatte wirklich zu Kämpfen, und bei Little Pollys angekommen, war ich mir sicher, dass es Pollys Shorts ist. 100% sicher. Bedeutet, ich schaffe es unter 10 Stunden. Dieser Gedanke gab mir Mut, und es war vielleicht mein erster Comrades, aber nicht mein erster Ultralauf. Wäre doch gelacht, oder?

Ich wollte diesen Abschnitt einfach nur hinter mich bringen. Irgendwie. Und dann bemerkte ich auf einmal halt, da war keine Brücke. Keine Kurven. 

Das ist nicht Pollys Shorts, das ist Little Pollys. 

Und genauso war es. 

Ab dem Punkt war Schluss mit Rennen. Ich fing an zu Gehen, und hatte zu Kämpfen überhaupt im Rennen zu bleiben. Läufer überholten mich rechts und links, und der Anstieg erschien mir ungeheuer schwierig. Die Kraft war weg, und ich war in einem tiefen Mentalen tief.

Langsam gab es wieder Zuschauer, mit Ihren Picknickstühlen, Sonnenschirmen und Braai. Und jemand rief meinen Namen, klar auf jedem BIB Nr. steht der Name des Läufers, aber irgendwie hat es mich so überrascht, dass ich anfing, in einem besseren Zustand zu kommen.

Langsam näherte ich mich Pietermaritzburg.

Und ich sehe in der Ferne Stadium Lichter. Ja genau, das ist das Ziel, so knapp links vor mir. Das ist gar nicht mehr weit. Ich fing an, wieder etwas schneller zu Rennen. Naja, schnell ist übertrieben, aber etwas zügiger halt. Doch irgendwie ging der Streckenverlauf nicht in die richtige Richtung. Klar, das, was ich gesehen habe, war nicht der Race Course Finish, sondern ein Sportplatz. 

Ich war wieder fix und fertig, wusste nicht wie weiter.  Bis ich bemerkte, dass andere Läufer an mir vorbeikamen, die recht schnell unterwegs waren. Es tat sich so ein Gefühl von Aufbruch, Stimmung, oder besser gesagt (wieder einmal) der Endspurt.

Und dann, der Moment, die Rennstrecke wurde enger, rechts und links Barrikaden mit Werbung, grosse Bäume, und der Lärm des Stadiums. Dann immer weiter geradeaus, auf einmal war ich wieder am Rennen.

Wie weit ist es noch, und plötzlich spüre ich diesen AstroTurf so einen Art Teppich unter meinen Füssen, rieche den Staub der Rennbahn. Erst jetzt wusste ich, ok Heiko: Geschafft.

Die halbe Bahn um den Race Course war ein Genuss.Das Stadion voll mit Zuschauern, überall Läufer welche gleich genau wie Du den Zieleinlauf überqueren werden. Dann die letzten Schritte, und fertig.

Ziel erreicht. 

Stolz und Enttäuschung, anders kann ich es nicht beschreiben.  

Mein Kindheitstraum verwirklicht, doch ich hatte für eine bessere Zeit trainiert, aber der Comrades, der muss doch mit mehr Planung angegangen werden?

Zurück im Hotel schaute ich mir im Fernsehen das Finale an. Das Rennen Ende bzw. die 12 Stunden Marke. Und zwar wird der Schluss, das offizielle Ende des Marathons, durch einen Schuss genau 12 Stunden nach dem Start bekannt gegeben.  Der Offizielle stellt sich dabei mit dem Rücken zum Zieleinlauf, und der Countdown ertönt durch das ganze Stadium, Läufer setzen zum Endspurt an, dramatische Szenen wie manche sich die Zähne zusammenbeißen.  Der Fernsehsprecher verrät, ab welchem Teil die Läufer bereits keine Chance mehr haben. Und dann ertönt der Schuss, und das Rennen ist aus und vorbei. Der Zieleinlauf wird gesperrt. Fertig. 

Am Tag danach sieht man egal ob in Durban oder Pietermaritzburg viele Menschen mit Comrades T-Shirt, man tauscht Blicke aus, manche mit Medaille, manche mit Flip Flops und Verband. Andere wiederum sehen so fit aus, als ob Gestern gar nicht besonders gewesen wäre. Und egal mit wem man spricht, es herrscht eine „Camaraderie“, jeder beglückwünscht den anderen zu seiner Zeit. Und ob beim Frühstück oder Mittagessen, man hat andere Läufer am Nachbartisch, schon erzählen Sie sich gegenseitig, wie Sie das Rennen empfunden haben.   

Und ab dann merkt man und spürt, welches besondere Rennen es ist.

Mein 2.ter Comrades war der Down-Run, und auch hier bin ich weit unter meiner eigentlichen Zeit, für welche ich trainiert habe, geblieben. Zu überambitioniert, zu ehrgeizig, habe mich nicht an meinen Plan gehalten, doch trotz allem habe ich meine begehrte Back-2-Back-Medaille mitgenommen und konnte den Erfolg mit Freunden und meinen Töchtern am Zieleinlauf in Durban genießen. Unvergesslich, als ich dort in das Stadium gerannt bin, und auf den ersten Blick meine Tochter unter den 1.000den Menschen gesehen hat.

Aber eigentlich ist der Down-run ein ganz anderer Lauf als der Up-run. Denn mit Down, also runter, hat das wenig zu tun. Hier solltest Du darauf achten, wie Du alles organisatorisch so planst, dass es Dir am besten passt.  Ich bin morgens um 3:00 Uhr wie viele andere Läufer mit dem Shuttlebus von Durban nach Pietermaritzburg gefahren. Die Strecke beinhaltet viele Kurven, und der Schlaf ist eher so ein Dösen, alles andere als super erholsam. 

Pietermaritzburg ist eine viel kleinere Stadt, und Du bist dann recht früh dort mit Deiner Rennausrüstung, Käppi, Sonnenbrille, T-Shirt und Rennshorts.  Wasser mitzunehmen wäre definitiv kein Fehler gewesen, habe ich irgendwie vergessen. Irgendwo am Straßenrand sich hinsetzen, so gemütlich wie möglich und dann den Start abzuwarten. Übrigens, in Pietermaritzburg ist es um einiges kälter als in Durban. OK für Europäer, Kühler.

Da ich beim Two Oceans Marathon eine gute Zeit hatte, war ich diesmal im Startblock C. Das hat mich gefreut und gab mir noch mehr Selbstvertrauen.  Einen detaillierten Rennbericht zu den Two Oceans gibt es hier, einfach im Blog.

Mein Ziel war heute, die 9:00 Stunden zu knacken. Egal ob 8:59. Ich hatte mir extra eine neue Uhr zugelegt, mit GPS und allem drum und dran, was könnte jetzt schief gehen? 

Er startete genauso ein besonderer Moment wie in Durban vor einem Jahr. Doch irgendwie kam es mir beim Loslaufen viel dunkler vor. Fast eine Stunde in die Dunkelheit gerannt, da Du recht schnell aus den Vororten raus bist.

Von der Ferne sieht man die N3 Autobahn, Fahrzeuge hupen den Läufern zu. Und dann geht es bergauf, und immer mehr und immer mehr.

Wie kann das sein? Das ist doch der Down-Run? Naja schon, aber Pollys Shorts hatte auch einen Teil runter oder bergab ging, und diesen unter anderem ging es jetzt zu besteigen. Ich ignoriere mal die ersten 20KM, und den langen Aufstieg nach dem Camperdown. Auch Umlaas Road, der Anstieg, reden wir jetzt nicht drüber. Ab hier waren mehr Zuschauer neben der Laufstrecke, und dann kam Harrison Flats. Bedeutet 60 KM. Nach Cato Ridge und kurz vor Inchang kommen wir vorbei an der Ethembi School for Disabled, und dann überströmt dich eine Dankbarkeit, gesund zu sein und rennen zu können. Die Kinder in Rollstühlen geben den Läufern High 5s oder Daumen hoch, und das hat auch meinen Zustand verbessert. Genug mit Selbstmitleid. Manche Anstiege sind „nur“ 100 Meter auf 2 Kilometer, aber auch das fordert nach den bereits genannten KM eine Wahnsinns Kraftaufwand.  

Jetzt ging es vorbei an der Wall of Honour. Und hier wollte ich jetzt mal einen Blick auf die Uhr wagen und mir meine Zeit ausrechnen. Doch leider hatte ich die Suunto nicht geladen, und somit war es aus mit der Zeiterfassung. Bei Arthurs Seat, einer legendären Stelle welche von Läufern als Glücksbringer bezeichnet wird, fing ich wie im Vorjahr an zu schwächeln. Eigentlich schlecht, weil Du noch eine weite Strecke vor Dir hast. Mit Hügel, die unheimlich Energie kosten und noch nicht mal einen Namen haben. So genannte no name Hills. Noch 35 km, aber ich war bereits ausgepowert. Ich musste anfangen, meine eigenen mentalen Techniken anzuwenden, meinen inneren Dialog umzustellen, alles tun, damit ich weiter nach vorne gehe, von Rennen erstmal ganz zu schweigen. 

Dann endlich das Schild Pinetown vielen Dank an alle Zuschauer, das gab mir wieder etwas Antrieb. Ich wusste hier, dass ich den Lauf zu Ende bringe. Von der Zeit an und Sub 9:00 Uhr war mir alles sowas von egal. Westville, hier gab es vor Jahren einen schrecklichen Busunfall, ich erinnere mich daran. Ich bi sehr langsam. Logisch, denn ich habe ja schon 80 KM in den Beinen, und dann sehe ich den Indischen Ozean, und kann mir in der Ferne ausmachen, wo das Stadium und das Ziel sind. Es erscheint mir schrecklich weit weg, und doch so nah zugleich. Jetzt kommt die lange „exit ramp“, die Abfahrt von der N3, meine Güte kommt mir dieser leichte Anstieg schwer vor. Unter mir ein Bahnhof, Taxis, lauter Menschen, die nicht merken, welcher Kampf hier oben bei jedem Läufer gerade stattfindet. Jetzt nur noch die lange gerade durch die Innenstadt von Durban. Moses Mabhida Stadium endlich, ich komme mir so allein vor, durch diese fast leeren Straßen zu Rennen. Nicht weil Sie so leer sind, aber kein Verkehr, und sehr breit. Dann in das Stadium herein, Gras unter meinen Füssen, und mir fällt auf welche langen Schatten meine Silhouette wirft, klar, ein langer Tag. Ich renne durch den Tunnel, und dann Emotionen pur, Freude mit meinen Töchtern und Freunden feiern zu können. Komischerweise schaffe ich die schwierigen, provisorischen Treppen zu den Duschen recht gut, und bin froh, den Lauf mit meiner Back to Back Medaille beendet zu haben. 

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